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Drei Tage Leipzig – sie schrieb mir aus seinem Hotelzimmer

Du willst so etwas mit deiner eigenen Partnerin erleben? So sprichst du sie darauf an – ohne sie zu überrumpeln

Miriam packte am Sonntagabend, und ich saß auf der Bettkante und sah ihr dabei zu. Zwei Blazer, die graue Messehose, Laufschuhe, die sie nie anziehen würde. Dann, ganz zum Schluss, das dunkelgrüne Kleid. Und darunter, sorgfältig gefaltet, die schwarze Spitzenwäsche, die ich ihr zum Hochzeitstag geschenkt hatte und die sie für mich nie getragen hatte.

Sie sah meinen Blick und lächelte nicht. „Für alle Fälle“, sagte sie.

„Ole fährt mit“, sagte ich. Es war keine Frage.

„Ole fährt mit.“ Sie schloss den Koffer, kam zu mir und stellte sich zwischen meine Knie. Ihre Hand lag in meinem Nacken, warm und bestimmt. „Wir haben das hundertmal besprochen, Henrik. Ich entscheide. Ich schreibe dir. Und du fasst dich nicht an, bis ich wieder zu Hause bin. Kein einziges Mal. Wenn es dir zu viel wird, schreibst du ‚Kastanie‘, und ich höre sofort auf. Abgemacht?“

„Abgemacht.“

„Gut.“ Sie beugte sich herunter, küsste mich lang und tief, und als ich die Hände an ihre Hüften legen wollte, schob sie sie weg. „Ab jetzt nicht mehr. Du wolltest es so.“

Ich hatte es gewollt. Zwei Jahre lang hatten wir kaum noch miteinander geschlafen, und irgendwann, auf dem Balkon nach zu viel Wein, hatte ich ihr gestanden, woran ich nachts dachte. An sie, mit einem anderen. Nicht heimlich. Für mich. Sie hatte lange geschwiegen. Dann hatte sie gefragt, ob ich mir einen bestimmten vorstelle. Und als ich nicht antwortete, hatte sie es für mich gesagt: „Ole.“

Der Kunde sagt ab

Ole war seit sechs Jahren ihr Kollege. Groß, ruhig, breite Hände, eine Stimme, die man im Nebenraum noch hört. Ich hatte ihn auf zwei Weihnachtsfeiern erlebt und beide Male gesehen, wie Miriam lachte, wenn er etwas sagte. Anders als bei mir. Offener. Mit dem Kopf im Nacken.

Der Montag verging mit harmlosen Nachrichten. Ein Foto vom Messestand. Ein trauriges Brötchen. Ole hat gefragt, ob du wirklich so entspannt bist, wie ich behaupte. Ich antwortete nicht darauf, weil ich es selbst nicht wusste.

Am Dienstag verschnitt ich in der Werkstatt eine Eichenleiste, die man nicht verschneiden darf. Um halb acht kam ein Foto. Miriam im Spiegel des Hotelaufzugs, im grünen Kleid, das am Rücken so tief ausgeschnitten war, dass man sehen konnte: Sie trug nichts darunter. Keinen BH. Darunter nur ein Satz.

Der Kunde hat abgesagt. Grippe. Nur noch Ole und ich.

Ich schrieb: Und die Spitze?

Die Spitze trage ich. Aber nicht für dich.

Ich legte das Handy auf die Arbeitsplatte und musste mich an der Hobelbank festhalten.

Nachrichten aus dem Restaurant

Die nächste kam um 21:03. Er hat seine Hand unter dem Tisch auf mein Knie gelegt. Ich habe sie nicht weggeschoben.

Um 21:20: Ich habe ihm erzählt, dass du zu Hause sitzt und darauf wartest, dass ich dir schreibe. Er hat gelacht. Nicht böse. Eher so, als würde ihm das gefallen.

Um 21:34 eine Sprachnachricht. Ich hielt das Handy ans Ohr wie etwas Zerbrechliches. Im Hintergrund Besteck, leise Musik. Dann ihre Stimme, gedämpft, ein bisschen atemlos: „Seine Hand ist jetzt ganz oben. Am Rand von der Spitze. Er streichelt mich da, ganz langsam, und schaut mich dabei an, als wäre das völlig normal. Ich bin so nass, Henrik. Ich glaube, ich esse kein Dessert.“

Dann Oles Stimme, tiefer, näher am Telefon, als hätte er sich zu ihr gebeugt: „Sag ihm, dass ich auf sie aufpasse.“

Und Miriam, lachend: „Er passt auf mich auf.“

Ich hörte es mir viermal an. Mein Schwanz drückte so hart gegen die Jeans, dass es wehtat, und ich hielt meine Hände flach auf dem Küchentisch, weil ich es versprochen hatte. Ich hätte ‚Kastanie‘ schreiben können. Ich dachte nicht einmal daran.

Ich schrieb: Geh mit ihm hoch.

Drei Punkte. Lange. Dann: Bitte mich darum.

Ich starrte auf das Display. Dann tippte ich, Buchstabe für Buchstabe: Bitte. Geh mit ihm hoch. Lass dich von ihm ficken.

Braver Mann, schrieb sie. Handy bleibt an.

Zimmer 512

Was in dieser Nacht passierte, weiß ich aus drei Quellen. Aus den Nachrichten, die sie mir zwischendurch schickte. Aus einer Sprachnachricht, die ich bis heute nicht gelöscht habe. Und aus dem, was sie mir am Donnerstag erzählte, auf dem Sofa, mit ihren Füßen in meinem Schoß und meiner Hand, die sich immer noch nicht bewegen durfte.

Um 22:12 kam: Er hat mich im Aufzug geküsst. Gegen die Wand. Ich habe vergessen, auf den Knopf zu drücken.

Um 22:31: Er hat mir das Kleid ausgezogen und lange angeschaut, was darunter ist. Dann hat er gesagt, dass dein Geschenk sehr hübsch ist. Und es mir ausgezogen.

Dann eine halbe Stunde nichts. Ich lag auf dem Bett, auf ihrer Seite, das Handy auf der Brust, und stellte mir jede Sekunde dieser halben Stunde vor. Später erzählte sie mir, dass er sie auf die Bettkante gesetzt hatte, vor sich auf die Knie gegangen war und sie geleckt hatte, ohne Eile, so lange, bis sie seine Haare gepackt und ihm gesagt hatte, er solle nicht aufhören, nie mehr aufhören. „Er hat sich Zeit gelassen, Henrik. Er hat mich zweimal kommen lassen, bevor er überhaupt die Hose ausgezogen hat.“

Um 23:08 vibrierte das Handy. Eine Sprachnachricht, elf Sekunden lang. Kein Wort darin. Nur ihr Atem, schnell und abgehackt, ein Rhythmus darunter, das Knarren eines Hotelbettes, und dann ein langer, tiefer Laut aus ihrer Kehle, den ich in vierzehn Jahren nicht ein einziges Mal von ihr gehört hatte.

Ich hörte die elf Sekunden, bis ich jede Pause kannte.

Um 0:47 kam die letzte Nachricht des Abends. Er schläft. Ich nicht. Ich kann kaum laufen. Ich denke an dich und daran, was du gleich für ein Gesicht machen wirst. Nicht anfassen. Ich weiß, dass du es willst.

Ich schrieb: Ich habe nicht.

Ich weiß. Darum liebe ich dich.

Am Mittwoch kamen kaum Nachrichten. Nur eine, kurz nach dem Mittag: Heute Morgen noch einmal. Unter der Dusche. Er hat mich gegen die Fliesen gedrückt, und ich musste mir auf die Hand beißen. Ich verschnitt an diesem Tag nichts, weil ich gar nicht erst in die Werkstatt ging.

Donnerstag, Sofa

Ich holte sie vom Bahnhof ab. Ole trug ihren Koffer die Stufen hinunter, stellte ihn ab und gab mir die Hand. Er hielt sie einen Moment zu lang und sah mir in die Augen, ruhig, freundlich, ganz ohne Unsicherheit. Es war der Blick eines Mannes, der genau wusste, was er mit meiner Frau gemacht hatte, und der wusste, dass ich es auch wusste.

„Sie war großartig“, sagte er leise. Dann ging er.

Ich hätte ihm nachsehen können. Ich sah nur Miriam an. Sie hatte einen kleinen roten Fleck am Hals, knapp über dem Kragen, und als sie meinen Blick bemerkte, zog sie den Kragen nicht hoch.

Zu Hause setzte sie sich aufs Sofa, legte die Füße in meinen Schoß und spürte sofort, wie hart ich war. Sie lächelte. „Drei Tage?“

„Drei Tage.“

„Dann hör zu.“ Und sie erzählte. Alles. Wie er sie im Aufzug an den Haaren nach hinten gezogen hatte, sanft, aber so, dass sie wusste, wer führt. Wie seine Hände sich auf ihrer Haut angefühlt hatten, rauer als meine, größer. Wie er sie von hinten genommen hatte, vor dem Spiegel, und ihr gesagt hatte, sie solle hinsehen. „Und er ist größer als du, Schatz“, sagte sie, und ihre Zehen drückten dabei gegen meinen Schritt. „Nicht ein bisschen. Richtig. Beim ersten Mal musste ich ihn bitten, langsam zu machen. Beim zweiten Mal nicht mehr.“

Ich stöhnte, und sie lachte leise.

„Eifersüchtig?“

„Ja.“

„Gut.“ Sie zog die Füße zurück, stand auf, öffnete langsam ihre Hose und ließ sie fallen. Darunter trug sie die schwarze Spitze. Dieselbe. Ungewaschen. „Er wollte sie behalten. Ich habe gesagt, die gehört meinem Mann.“

Sie setzte sich auf mich, zog mir das Hemd über den Kopf und flüsterte mir ins Ohr: „Jetzt darfst du.“

Es dauerte nicht lange. Sie wusste, dass es nicht lange dauern würde, und sie neckte mich damit, während sie mich ritt, die Hände auf meiner Brust, die Augen halb geschlossen. „Er hat länger gebraucht“, sagte sie, und genau in diesem Moment kam ich, so heftig, dass mir schwarz vor Augen wurde.

Danach lag sie auf mir, verschwitzt, ihr Herz an meinem. Zum ersten Mal seit zwei Jahren hatten wir miteinander geschlafen, und keiner von uns sagte etwas dazu, weil es nichts zu sagen gab.

„Im März ist wieder Messe“, murmelte sie irgendwann. „Frankfurt. Vier Tage.“

„Fährt Ole mit?“

Sie hob den Kopf und sah mich an, mit einem Lächeln, das ich vorher nicht an ihr gekannt hatte. „Das“, sagte sie, „entscheide ich.“

Nach einer Beichte aus unserem Beichtstuhl – Namen und Details geändert.

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