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Sie dachte, ich schlafe

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Ich war auf dem Sofa eingedöst, irgendein Film lief noch ohne Ton, die Decke halb auf dem Boden. Ich hörte, wie Lea ins Wohnzimmer kam, wie sie kurz stehen blieb und mich ansah. Ich hielt die Augen zu. Nicht aus Berechnung, ich war einfach zu faul, mich zu bewegen.

Dann senkte sich das Polster am anderen Ende. Sie legte sich hin, die Füße fast an meinen Knien, und ich hörte das leise Klicken, mit dem sie ihre Kopfhörer einsetzte. Ich dachte, sie hört einen Podcast. Ich dachte das genau so lange, bis ich das Summen hörte.

Es war gedämpft, unter der Decke, aber ich kannte das Geräusch. Wir haben den Vibrator vor drei Jahren zusammen gekauft, und er lag seitdem meistens in ihrer Nachttischschublade, als Witz, als Notlösung. Jetzt lag er offenbar zwischen ihren Schenkeln, einen halben Meter von meinem Gesicht entfernt.

Ich blinzelte durch die Wimpern. Lea lag auf dem Rücken, die Augen geschlossen, das Handy auf dem Bauch. Aus ihrem Ohr drang ein feines Wispern, eine Männerstimme, tief und langsam. Kein Wort war zu verstehen, nur der Ton: ruhig, bestimmend, einer, der genau weiß, was er mit einer Frau vorhat.

Ihre Hand bewegte sich unter der Decke. Ihr Atem wurde flacher. Einmal biss sie sich auf die Unterlippe, und ihre Hüfte hob sich ein kleines Stück, als würde sie jemandem entgegenkommen, der gar nicht da war.

Ich lag da und wurde so hart, dass es wehtat. Und gleichzeitig brannte da etwas anderes in meiner Brust, scharf und süß zugleich: Das war nicht ich, an den sie dachte. Das war diese Stimme. Irgendein Fremder, der ihr ins Ohr erzählte, wie er sie nimmt, und meine Frau wurde dabei nass, direkt neben mir.

Ihre Beine fingen an zu zittern. Sie drehte das Gesicht ins Kissen, und dann kam sie, lang und leise, mit einem gepressten Laut, den ich in elf Jahren nicht oft von ihr gehört hatte. Das Summen verstummte. Sie lag still, nur ihr Bauch hob und senkte sich.

Ich hätte weiter so tun können, als ob ich schlafe. Stattdessen sagte ich in die Stille: „Das war das Geilste, was ich je gesehen habe.“

Erwischt

Lea fuhr hoch, riss sich den Kopfhörer aus dem Ohr und starrte mich an, die Wangen glühend. „Tobi! Wie lange bist du schon wach?“

„Lange genug.“

Sie zog die Decke bis zum Kinn. „Oh Gott. Das ist so peinlich.“

„Nein.“ Ich setzte mich auf, und sie sah, wie sich meine Jogginghose spannte. Ihr Blick blieb dort hängen, eine Sekunde zu lang. „Peinlich sieht anders aus. Was hast du da gehört?“

Sie zögerte. Dann hielt sie mir das Handy hin. Eine App für erotische Hörgeschichten. Der Titel: „Der Gast“. Darunter ein Satz zur Handlung. Eine Frau. Ihr Mann im Nebenzimmer. Ein anderer, der sie auf dem Küchentisch nimmt, während der Mann jedes Geräusch hört.

„Er weiß es“, sagte sie leise. „Der Mann in der Geschichte. Er will es sogar. Und das ist der Teil, bei dem ich jedes Mal komme.“

Mein Mund war trocken. „Jedes Mal?“

„Ich höre die seit Monaten.“ Sie sah mich jetzt direkt an, und unter der Scham lag etwas anderes, etwas Lauerndes. „Und du sitzt da mit einem Ständer und siehst aus, als hätte ich dir gerade ein Geschenk gemacht.“

Ich hätte lachen können, den Moment wegreden, wie wir es sonst tun. Aber ich sagte die Wahrheit. Dass ich mir das seit Jahren vorstelle. Sie mit einem anderen. Ich, der es weiß. Ich, der zusieht. Dass ich nie den Mut hatte, es auszusprechen.

Lea schwieg lange. Dann legte sie den Kopf schief und lächelte langsam, ein Lächeln, das ich nicht kannte.

„Dann hör mal zu“, sagte sie und gab mir einen Kopfhörer.

Nur zusehen

Sie spulte zurück, an die Stelle, an der der Gast in die Küche kommt. Die Stimme war jetzt in meinem Ohr, nah und rau. Sie beschrieb, wie er die Frau gegen die Arbeitsplatte drückt, wie er ihr den Rock hochschiebt, wie sie flüstert, dass ihr Mann nebenan ist, und wie er antwortet: „Gut. Dann soll er hören, wie du für mich kommst.“

Lea schob die Decke weg. Sie hatte nur ein Shirt an, sonst nichts, und sie war immer noch glänzend nass zwischen den Beinen. Sie schaltete den Vibrator wieder ein.

Ich griff nach ihrem Knie. Sie schob meine Hand weg, ganz ruhig.

„Nein“, sagte sie. „Du schaust nur zu. Das willst du doch, oder?“

Ich nickte. Mehr ging nicht.

„Sag es.“

„Ich will zusehen.“

„Wobei?“

„Wie du an einen anderen denkst und kommst.“

Sie schloss die Augen und ließ den Vibrator über ihren Kitzler kreisen, langsam, dann fester. In meinem Ohr stöhnte die Frau aus der Geschichte, der Gast wurde lauter, gröber, und Lea fing an, mitzusprechen, halb zu mir, halb zu niemandem.

„Er ist größer als du“, flüsterte sie. „In der Geschichte. Viel größer. Sie sagt, sie spürt ihn bis in den Bauch.“ Sie öffnete die Augen, sah mich an. „Stell dir vor, das bin ich. Auf unserem Küchentisch. Und du sitzt hier und hörst alles.“

Ich hielt es nicht mehr aus und schob meine Hand in die Hose.

„Langsam“, befahl sie. „Du kommst nicht vor mir. Heute nicht.“

Ich gehorchte. Ich wichste mich langsam, mit zusammengebissenen Zähnen, und sah zu, wie meine Frau sich mit gespreizten Beinen auf unserem Sofa vor mir fertigmachte, die Augen auf mein Gesicht gerichtet, als wollte sie jede Regung darin auskosten. Als sie kam, zum zweiten Mal, war es lauter. Sie drückte den Kopf nach hinten, ihre Schenkel schlossen sich um ihre Hand, und sie sagte einen Namen, den es gar nicht gab, irgendeinen Namen aus der Geschichte.

Dann lag sie da, atmete, und sah mich an.

„Jetzt“, sagte sie. „Komm her.“

Ich war in ihr, bevor ich nachdenken konnte. Sie war so nass, wie ich sie noch nie gespürt hatte, und sie hielt mich mit den Beinen fest und flüsterte mir ins Ohr, die ganze Zeit, was der Gast mit ihr machen würde. Wie er sie umdrehen würde. Wie er sie halten würde. Wie sie danach zu mir kommen würde, noch warm von ihm. Ich hielt keine zwei Minuten durch.

Sie lachte leise, als ich auf ihr zusammensackte, und strich mir durch die Haare.

„Das war süß“, sagte sie. „Aber weißt du, was ich wirklich will?“

„Was?“

„Dass es neben dir mal echt passiert. Nicht in meinem Ohr.“

Drei Wochen später

Er hieß Marek. Sie hatte ihn auf einer Plattform gefunden, auf der Paare wie wir Männer wie ihn suchen. Vierzig, Physiotherapeut, breite Hände, ruhige Stimme. Als ich seine erste Sprachnachricht hörte, wurde mir heiß. Er klang wie die Geschichte.

Die Regeln hatten wir in einer halben Stunde am Küchentisch gemacht. Kondom. Mein Sessel, ihr Sofa. Ein Wort, „Pause“, und alles hört auf, für jeden von uns dreien. Ich fasse nichts an, solange sie es nicht sagt.

„Und du kommst erst, wenn ich es dir erlaube“, hatte Lea hinzugefügt und dabei gegrinst. „Du wolltest es so.“

Ja. Ich wollte es so.

An dem Abend trug sie ein schwarzes Kleid, das ich ihr vor Jahren gekauft und nie an ihr gesehen hatte. Marek kam um neun, brachte Wein mit, gab mir die Hand und sah dann sie an, lange, ohne Eile. Nach dem ersten Glas legte er die Hand auf ihren Oberschenkel. Nach dem zweiten küsste er sie.

Ich saß im Sessel, drei Meter entfernt, und sah zu, wie ein fremder Mann meine Frau auf unserem Sofa küsste. Nicht vorsichtig. Tief, mit der Hand in ihrem Nacken, und sie schmolz in ihn hinein, als hätte sie darauf gewartet. Ihre Hand lag auf seiner Brust, dann auf seinem Gürtel.

Er zog ihr das Kleid über den Kopf. Sie trug nichts darunter. Sie warf mir einen Blick zu, über seine Schulter, und ich sah darin Unsicherheit, Stolz und pure Gier, alles auf einmal. Ich nickte. Sie lächelte und drehte sich wieder zu ihm.

Marek ließ sich Zeit. Er küsste ihre Brüste, ihren Bauch, kniete sich vor das Sofa, schob ihre Knie auseinander und leckte sie, langsam und gründlich, bis sie seine Haare packte und das Becken gegen sein Gesicht drückte. Ich hörte jedes Geräusch. Das feuchte Schmatzen. Ihr Wimmern. Seine tiefe Stimme zwischendurch, wenn er etwas sagte, das nur für sie war.

Sie kam auf seiner Zunge, schneller als je bei mir, und ich krallte mich an den Armlehnen fest.

Dann stand er auf und zog sich aus. Lea sah an ihm herunter, dann zu mir, und ihre Augen wurden groß. Sie musste nichts sagen. Ich sah es selbst. Er war größer als ich. Deutlich. Sie nahm ihn in die Hand, als müsste sie es prüfen, und lachte leise und atemlos.

„Schatz“, sagte sie, ohne den Blick von ihm zu nehmen. „Die Geschichte hat nicht gelogen.“

Er rollte das Kondom ab, legte sie auf den Rücken und schob sich in sie, langsam, Zentimeter für Zentimeter. Lea riss den Mund auf. Sie hielt die Luft an, bis er ganz in ihr war, und dann stöhnte sie so laut, dass ich zusammenzuckte.

„Alles gut?“, fragte er.

„Nicht aufhören“, keuchte sie. „Bloß nicht aufhören.“

Er fickte sie lange. Erst langsam, dann tiefer, dann so hart, dass das Sofa gegen die Wand stieß. Er drehte sie um, auf die Knie, das Gesicht zu mir, und nahm sie von hinten, die Hände an ihren Hüften. Und Lea sah mich die ganze Zeit an. Ihr Gesicht war gerötet, die Haare klebten ihr an der Stirn, ihre Brüste schwangen bei jedem Stoß, und sie hielt meinen Blick, als wäre das der eigentliche Akt.

„Siehst du das?“, keuchte sie. „Siehst du, wie er mich fickt?“

„Ja.“

„Fass dich an. Aber du kommst nicht.“

Ich öffnete meine Hose mit zitternden Fingern. Ich war so hart wie nie, und so klein, mit dem Bild vor Augen, wie er immer wieder ganz in ihr verschwand. Die Eifersucht brannte, und genau das machte es unerträglich gut.

Als sie kam, schrie sie. Sie krallte sich ins Sofakissen, ihr ganzer Körper bebte, und Marek hielt sie fest und stieß weiter, bis auch er kam, mit einem tiefen Laut, tief in ihr, nur das dünne Gummi zwischen ihnen.

Danach lag sie da wie ausgegossen. Marek küsste sie auf die Schulter, zog sich an, gab mir noch einmal die Hand. „Ihr zwei seid was Besonderes“, sagte er und ging.

Lea winkte mich mit einem Finger zu sich. Ich kniete mich vor das Sofa, dorthin, wo er eben noch gekniet hatte. Sie roch nach ihm, nach Schweiß und Latex und Sex.

„Willst du wissen, wie es war?“, flüsterte sie.

„Alles.“

„Er hat mich ausgefüllt, wie du es nie geschafft hast.“ Sie strich mir über die Wange, ganz zärtlich, während sie das sagte. „Und ich habe die ganze Zeit an dein Gesicht gedacht. Daran, dass du zusiehst. Das war das Beste daran.“ Sie zog mich zu sich hoch. „Jetzt darfst du.“

Ich kam nach drei Stößen. Sie hielt mich fest und lachte mir ins Ohr.

„Nächstes Mal“, sagte sie, „bleibt er über Nacht. Und du schläfst auf dem Sofa. Diesmal wirklich.“

Nach einer Beichte aus unserem Beichtstuhl – Namen und Details geändert.

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