Irgendwann kommt bei vielen Paaren der Moment, in dem aus „Was wäre, wenn …“ ein „Wie würden wir das eigentlich anstellen?“ wird. Ihr habt geredet, eure Fantasien geteilt, Grenzen abgesteckt – und jetzt steht die Frage im Raum: Wie findet man einen Bull, der passt, respektvoll ist und mit dem sich beide sicher fühlen?
Genau hier passieren die meisten Fehler. Nicht, weil Paare leichtsinnig wären, sondern weil sie nervös sind, ungeduldig werden oder sich vom ersten Menschen mitreißen lassen, der Interesse zeigt. Dieser Leitfaden hilft dir und deiner Partnerin, die Suche ruhig, diskret und sicher anzugehen – mit klaren Kriterien, guten Fragen und einem gesunden Gespür für Warnsignale.
Bevor ihr sucht: Seid ihr wirklich bereit?
Die Suche nach einem Bull ist kein Startpunkt, sondern ein Zwischenschritt. Bevor ihr Profile anlegt oder Nachrichten schreibt, sollten ein paar Dinge geklärt sein:
- Beide wollen es. Nicht „sie macht mit, weil er es so gern möchte“, sondern ein echtes, eigenes Ja von ihr. Ohne das ist jede Suche verfrüht.
- Ihr habt Regeln und Grenzen besprochen. Was ist erlaubt, was nicht? Wer ist dabei? Was passiert, wenn jemand Stopp sagt? Unser Beitrag zu Regeln und Grenzen hilft euch dabei.
- Ihr habt ein Stoppwort. Klingt banal, ist aber zentral – auch schon für die Kennenlernphase.
- Eure Beziehung ist stabil. Ein Bull ist kein Pflaster für Probleme. Wenn es gerade kriselt, verstärkt eine dritte Person meist genau das, was ohnehin wackelt.
Wenn ihr unsicher seid, wo ihr steht, macht gemeinsam den kostenlosen Paar-Check. Er zeigt euch, ob ihr ähnlich tickt – oder ob es noch Gesprächsbedarf gibt.
Wer sucht – und wer entscheidet?
Eine Frage, die viele Paare unterschätzen: Wer führt eigentlich die Suche? In vielen Konstellationen ist es sinnvoll, dass die Frau die letzte Entscheidung trifft. Schließlich ist sie diejenige, die sich auf körperliche Nähe mit diesem Menschen einlässt. Er kann Vorschläge machen, mitlesen, mitreden – aber wenn sie bei jemandem kein gutes Gefühl hat, ist das ein Nein. Ohne Diskussion.
Gleichzeitig gilt: Auch dein Bauchgefühl als Partner zählt. Wenn dich jemand respektlos behandelt oder sich über dich lustig macht, ohne dass das zu eurer Absprache gehört, ist das ebenfalls ein Ausschlusskriterium. Ein guter Bull respektiert beide.
Wo ihr suchen könnt
Spezialisierte Plattformen
Es gibt Dating- und Community-Seiten, die sich ausdrücklich an Paare, Swinger und Menschen mit offenen Beziehungsmodellen richten. Der Vorteil: Alle wissen, worum es geht. Niemand ist überrascht, und die Erwartungen sind von Anfang an klarer. Der Nachteil: Auch dort gibt es Fake-Profile, Menschen, die nur Fotos sammeln, und Männer, die „Bull“ vor allem als Ego-Etikett verstehen.
Swinger- und Paarclubs
Clubs und Paar-Events haben einen großen Vorteil: Ihr seht die Menschen sofort, könnt eure Wirkung aufeinander einschätzen und es gibt meist klare Hausregeln. Viele Paare nutzen einen Clubbesuch übrigens zunächst nur zum Schauen, ohne dass etwas passieren muss. Das nimmt enorm Druck heraus.
Bekanntenkreis – lieber nicht
Der Kollege, der Ex, der beste Freund? Die Versuchung ist da, weil man ihn schon kennt. Aber wenn etwas schiefgeht, verliert ihr nicht nur ein Abenteuer, sondern vielleicht eine Freundschaft, Ruhe im Job oder eure Diskretion. Für den Anfang ist jemand außerhalb eures Alltags fast immer die bessere Wahl.
Diskretion: So schützt ihr eure Privatsphäre
Euer Ruf, eure Jobs, eure Familie – all das soll nicht davon abhängen, wie verschwiegen ein Fremder ist. Ein paar Grundregeln:
- Eigene E-Mail-Adresse nur für die Suche, ohne Klarnamen.
- Keine Gesichter auf öffentlichen Profilbildern. Fotos mit Gesicht – wenn überhaupt – erst nach einem persönlichen Kennenlernen und gegenseitigem Vertrauen.
- Keine erkennbaren Hintergründe: Wohnzimmer, Arbeitsplatz, Autokennzeichen, markante Tattoos.
- Metadaten entfernen: Viele Handyfotos speichern den Aufnahmeort. Prüft das vor dem Versenden.
- Telefonnummer erst spät herausgeben – oder einen Messenger nutzen, bei dem ihr nicht eure Hauptnummer teilen müsst.
- Keine Details zu Wohnort und Arbeitgeber, bis ihr wirklich wisst, mit wem ihr es zu tun habt.
Das ist kein Misstrauen gegenüber einem Menschen, sondern Selbstschutz. Ein seriöser Bull versteht das sofort – und verhält sich selbst genauso.
Woran ihr einen guten Bull erkennt
„Gut“ heißt hier nicht: besonders attraktiv oder besonders selbstbewusst. Es heißt: verlässlich, respektvoll und kommunikativ. Achtet auf diese Signale:
Positive Zeichen
- Er stellt Fragen zu euren Regeln, statt sie zu übergehen.
- Er akzeptiert ein Nein oder „noch nicht“ ohne Druck oder Beleidigtsein.
- Er spricht von sich aus über Safer Sex und Tests.
- Er schlägt ein erstes Treffen an einem neutralen Ort vor – ohne Erwartungen.
- Er behandelt den Partner nicht als Statisten, sondern als Teil der Absprache.
- Er ist selbst diskret und erzählt nicht von anderen Paaren mit Details, die sie identifizierbar machen würden.
Warnsignale (Red Flags)
- Er drängt auf ein schnelles Treffen „heute noch“ oder verlangt sofort intime Fotos.
- Er macht sich über eure Regeln lustig („Das braucht ihr nicht, ich weiß, was Frauen wollen“).
- Er reagiert gereizt auf Fragen zu Tests oder Kondomen.
- Er versucht, die Frau hinter dem Rücken des Partners zu kontaktieren, obwohl ihr anderes vereinbart habt.
- Seine Geschichte ändert sich ständig – Alter, Beruf, Wohnort passen nicht zusammen.
- Er bittet um Geld, Gutscheine oder „Unkostenbeiträge“.
Ein einziges deutliches Warnsignal reicht. Ihr schuldet niemandem eine zweite Chance, nur weil er gut aussieht oder gut schreibt.
Das erste Kennenlernen: Schritt für Schritt
1. Schreiben
Nehmt euch Zeit. Ein paar Tage oder Wochen Nachrichten verraten viel über jemanden: Bleibt er freundlich, wenn ihr langsamer antwortet? Liest er eure Nachrichten wirklich? Viele Paare schreiben gemeinsam oder lesen zumindest gemeinsam mit – das schafft Transparenz. Was Frauen sich von einem Bull wünschen, beschreibt übrigens der Beitrag Hotwife aus Sicht der Frau.
2. Ein Video- oder Telefonat
Ein kurzer Videoanruf ist der einfachste Echtheits-Check. Ihr seht, ob die Person zu den Fotos passt, und bekommt einen Eindruck von Stimme, Humor und Umgangsformen.
3. Treffen auf neutralem Boden
Das erste persönliche Treffen sollte an einem öffentlichen Ort stattfinden: eine Bar, ein Café, ein Restaurant. Mit der klaren Abmachung, dass an diesem Abend nichts passiert außer Reden. Das klingt unromantisch, ist aber Gold wert: Niemand steht unter Druck, und ihr könnt ganz entspannt prüfen, ob die Chemie stimmt. Wie ihr so ein Treffen konkret gestaltet, lest ihr in unserem Leitfaden zum ersten Treffen.
4. Nachbesprechung zu zweit
Nach dem Treffen redet ihr – ohne ihn. Wie hat sich jeder von euch gefühlt? Gab es Momente, die irritiert haben? Wichtig: Wenn einer von euch zögert, ist das ein Grund, zu warten. Begeisterung eines Partners ersetzt nicht das Ja des anderen.
Gesundheit: Kein Tabuthema
Über sexuelle Gesundheit zu sprechen, gehört zum respektvollen Umgang. Fragt offen nach aktuellen Testergebnissen auf sexuell übertragbare Infektionen und klärt, wie ihr verhüten und euch schützen wollt. Kondome sind für die meisten Paare am Anfang selbstverständlich. Wer darauf mit Augenrollen reagiert, hat sich damit schon selbst aussortiert.
Auch Verhütung ist ein Thema, das ihr vorher gemeinsam klären solltet – nicht erst in der Situation.
Fester Bull oder wechselnde Kontakte?
Manche Paare wünschen sich einen festen Partner, den sie gut kennen und dem sie vertrauen. Andere bevorzugen wechselnde Begegnungen, damit keine emotionale Bindung entsteht. Beides hat Vor- und Nachteile:
- Fester Bull: mehr Vertrauen, eingespielte Absprachen, weniger Aufwand bei der Suche – aber auch die Möglichkeit, dass Gefühle entstehen.
- Wechselnde Kontakte: mehr Abwechslung, klarere Trennung von Sex und Beziehung – aber jedes Mal ein neues Kennenlernen und ein höherer Aufwand für Sicherheit.
Es gibt hier kein Richtig oder Falsch. Wichtig ist, dass ihr euch einig seid – und diese Entscheidung auch später noch einmal überprüfen dürft. Mehr dazu lest ihr im Beitrag Feste oder wechselnde Liebhaber für die Frau?
Wenn ihr niemanden findet
Manche Paare suchen monatelang und finden niemanden, bei dem beide ein gutes Gefühl haben. Das ist frustrierend, aber kein Zeichen, dass ihr etwas falsch macht. Im Gegenteil: Es zeigt, dass ihr eure Kriterien ernst nehmt. Lieber noch eine Weile in der Fantasie bleiben als mit dem Falschen eine Erfahrung machen, die ihr später bereut. Viele Paare berichten, dass gerade die Phase des Suchens – das gemeinsame Lesen von Profilen, das Reden darüber – schon eine eigene, aufregende Zeit war.
Gut vorbereitet ins Gespräch
Die beste Suche beginnt lange vor dem ersten Profil: mit einem ehrlichen Gespräch zwischen euch beiden. Wenn du noch am Anfang stehst und nicht weißt, wie du das Thema überhaupt ansprechen sollst, hilft dir „Die Swartz Methode“ von Judith Swartz. Das E-Book begleitet dich Schritt für Schritt vom ersten Gespräch bis zu gemeinsamen Absprachen. Für die Regeln, die ihr vor einem Treffen festhalten wollt – von Grenzen über das Stoppwort bis zur Nachbesprechung –, gibt es ergänzend das Arbeitsheft „Unsere Regeln“.
Alles an einem Ort: Im Leitfaden „Der richtige Bull“ findet ihr Checklisten, über ein Dutzend Nachrichtenvorlagen, 18 Prüffragen, eine Vereinbarung mit dem Bull und Arbeitsblätter für vorher und nachher – 71 Seiten für 19 €. Und für euren Bull: unser Bull-Knigge.
Häufige Fragen
Wie lange sollte man schreiben, bevor man sich trifft?
Es gibt keine feste Regel. Viele Paare fühlen sich nach ein bis drei Wochen Kontakt und einem Videotelefonat bereit für ein erstes, unverbindliches Treffen. Entscheidend ist, dass sich beide sicher fühlen – nicht ein bestimmter Zeitraum.
Sollte der Partner beim Kennenlernen dabei sein?
Für die meisten Paare ist das am Anfang sinnvoll, weil es Transparenz schafft und beide sich ein eigenes Bild machen können. Manche Frauen treffen sich zuerst lieber allein – dann sollte vorher klar abgesprochen sein, wo sie ist und wie sie sich zwischendurch meldet.
Was, wenn der Bull nach dem Treffen nicht mehr antwortet?
Das kommt vor und ist meist kein Drama. Nehmt es nicht persönlich und zieht vor allem keine Rückschlüsse auf eure Beziehung. Ein Mensch, der so verschwindet, wäre ohnehin kein verlässlicher Partner gewesen.
Darf man einen Bull ablehnen, obwohl er nichts falsch gemacht hat?
Ja, jederzeit. Fehlende Chemie ist ein völlig legitimer Grund. Ein kurzes, freundliches „Wir haben uns anders entschieden, danke für das nette Treffen“ genügt.
7 Tage, 7 kurze E-Mails von Judith Swartz – kostenlos, diskret, ohne Bilder.
- Verstehen statt schämen: Was hinter der Fantasie steckt und was die Forschung wirklich darüber weiß.
- Die häufigsten Fehler vermeiden: Warum Überrumpeln, Drängen und Heimlichkeit fast immer schiefgehen.
- Ein klarer Fahrplan: Wie Paare das Thema behutsam angehen – mit eurer Beziehung im Mittelpunkt.

